In unserer Welt des Kapitalismus – durch Kommerz, Ratingagenturen, Börsenkurse und Gewinnmargen bestimmt – verstehe ich natürlich schon, dass es das Anliegen einer Firma ist, möglichst kostengünstig zu produzieren, ihr Produkt dann durch dementsprechende(s) Werbung, Marketing und PR auf dem Markt zu platzieren und darauf hinzuarbeiten, damit einen möglichst hohen Gewinn einzufahren.
Kann ich verstehen, nachvollziehen und wäre sicherlich auch mein Bestreben, wenn ich so ein Unternehmen zu leiten und zu verantworten hätte
Allerdings bin ich der Typ Mensch, der seine Ideale nicht komplett aufgeben bzw. verkaufen würde.
Aus Konsumenten-Sicht sehe ich den oben aufgezeigten Weg der Unternehmen seit einiger Zeit allerdings als wirklich gefährlich an. Gefährlich, weil wir Kunden direkt und mit voller Absicht belogen bzw. hinters Licht geführt werden. Gefährlich, weil Unternehmen in keinster Art und Weise noch daran denken, ob das, was sie auf den Markt bringen, in irgendeiner Art und Weise gesundheitsschädigend – sowohl kurz- als auch und besonders langfristig – ist.
Das führt mich direkt zur Lebensmittelindustrie.
Natürlich, es gibt BIO-Produkte. Aber diese Produkte sind durch die Bank alle um einiges teurer als die ungesunde Billig-Ware, die sogar prominenter im Supermarkt platziert ist. Und bitte jetzt kein “Wer gesund leben will, der muss halt ein wenig mehr Geld dafür ausgeben”. NEIN, MUSS MAN NICHT! Wieso denn? Wofür auch? Mit welchem Recht? Nur, damit die Produzenten der Billig-Waren noch höhere Gewinne einfahren können? Mal ganz davon abgesehen, dass ein großer Teil der Menschen finanziell gar nicht mehr die Möglichkeit hat, dieses “mehr” für gesundes Essen auszugeben. Was aus Sicht “der da oben” aber auch Sinn macht, aber dazu irgendwann in einem anderen Blogpost mehr.
Beispielhaft sei an dieser Stelle auf das Produkt “Fruit 2 day, Original mit knackigen Fruchtstückchen, Sorte: Kirsche / rote Traube” von Schwartau verwiesen. Habt ihr bestimmt schon mal gesehen. Nochmal angemerkt: Die Sorte ist “Kirsche / rote Traube”. Die Verpackung der Flasche ist auch mit Bildern riesiger, knackiger, frisch (ab)gewaschener Kirschen und Trauben versehen. Klar, wir, die Kunden, die Konsumenten, lesen “Kirsche / rote Traube”, sehen die Bilder von Kirschen und Trauben und lesen “mit knackigen Fruchtstückchen” und natürlich denken wir: “Hm, lecker, eine Mischung aus Kirsch- und Traubensaft mit leckeren Kirschen (und Trauben) als Fruchtstückchen drin”. Kann ich niemandem verübeln, dass er dieses denkt, denn das Produkt und Schwartau will ja, dass wir so denken.
Schauen wir uns aber mal die Zutaten von “Kirsche / rote Traube” an.
Der Fruchtsaft besteht zu 33% aus Apfelsaft, zu 12% aus dem Saft roter Trauben, zu 2% aus Aroniasaft (https://de.wikipedia.org/wiki/Apfelbeeren), zu 2% aus Acerolasaft und zu 1% aus Zitronensaft.
Ich habe alles gefettet, was per se weder eine Kirsche noch eine Traube ist. Auch, wenn Aronia in manchen Ländern den Begriff Traube im lokalen Namen trägt, so ist sie es dennoch nicht, da sie zu einer ganz anderen Frucht- bzw. Obst-Familie gehört.
Weiter im Text.
19% Bananenpüree, 12% Birnenstückchen, 11% Sauerkirschpüree, 8% Apfelpüree.
Sämtliche Fruchtstückchen sind also weder Kirschen noch Trauben, sondern Birnen. Außerdem bekomme ich Bananen- und Apfelpüree vorgesetzt. Wie hieß die Sorte von “Fruit 2 day” noch gleich? Ach ja: “Kirsche / rote Traube“. Nicht “Obstmischmasch”.
Wieso? Kann mir das jemand erklären? Wieso?
Ist es wirklich um so viel günstiger, all diese verschiedenen Früchte einzukaufen, teilweise zu importieren und zusammenzumixen, als wenn man wirklich nur Kirschen oder (rote) Trauben benutzt hätte? Kann mir das bitte mal jemand vorrechnen?
Und was ist, wenn jemand z.B. höchst allergisch gegen Birnen ist? Derjenige kauft sich dieses Produkt in dem festen Glauben, dass in “Kirsche / rote Traube” keine Birnen, sondern eben Kirschen und rote Trauben enthalten sind. Was, wenn diese Person aufgrund der Birnen nun einen anaphylaktischen Schock bekommt und evtl. sogar daran verstirbt? Redet sich Schwartau dann mit der winzigen Zutatenliste heraus, die hinten auf der Flasche abgedruckt ist? Oder ist die deswegen evtl. zu erwartende Strafe oder ein eventuelles Schweigegeld – oh, sorry, Vergleich – an die Hinterbliebenen eventuell deutlich geringer als die durch dieses Verfahren eingefahrenen Gewinne?